Druckhausbesichtigung

Bild0137Am 20.03. reisten 19 fröhliche Nachbarn mit 4 PKW ins ferne Hagen um endlich herauszufinden, warum immer so gerade genug passiert um eine Zeitung herzustellen; und die damit sich beschäftigenden Kobolde bei ihrem geheimnisvollen Treiben zu beobachten.

 Im Funke-Medienhaus, so heißt die gute alte Westfalenpost seit einem Dreiviertel Milliarden schweren Geschäft unter den alten Zeitungsbaronen inzwischen, nimmt uns Herr Neuhaus in Empfang um uns in die Welt der Zeitungsdrucker einzuführen. Wir erfahren, dass man hier früher 500 000 Zeitungen täglich - oder doch eher nächtlich - hergestellt hat, die zwischen Dortmund und Wittgenstein ausgeteilt wurden. Die Zahl der Zeitungsleser ist seit Jahren dank des massenhaften Auftauchens immer neuer modernistischer Informationskanäle rückläufig; so ist die Zahl der Zeitungen jetzt bei 400 000 nächtlich angelangt. Jede Zeitung besteht aus vier Büchern - aha! - und wenn sich die Welt zu ruhig verhält, um ein Buch darüber zu schreiben, macht man einfach die Bilder größer. Die Bilder werden viermal übereinander gedruckt - jedes mal in einer anderen Farbe - daher der Name Viefarbdruck. Das wird bei den Kobolden Hektik auslösen und die wollen wir endlich sehen - also die Kobolde, nicht die Hektik.

Bild0138Vorbei an der alten Röhrpost mit der in den 80er Jahren tatsächlich Flaschenbier verschickt wurde, geht es zu zwei Flurförderern die Dieter und Heinz genannt werden und die keine Flure fördern sondern gar nichts; eigentlich sollten sie Papierrollen transportieren aber das mochten wohl die Kobolde nicht. So eine Rolle enthält 23 Kilometer Zeitungspapier, wiegt 1,5 Tonnen und kostet 600 €; sie besteht zu 80 % aus Altpapier, kommt meist aus Norwegen und darf sich bevor sie verbraucht wird 8 Tage lang ausruhen. Im Papierlager befindet sich ein Vorrat für 14 Tage; täglich werden 100 Rollen bedruckt.

Gedruckt wird heute im Flachdruckverfahren, bei dem die Druckrollen mit viel Fett und Wasser dazu gebracht werden an bestimmten Stellen die Druckfarbe aufzunehmen und auf das Papier zu pressen - das sind dann hinterher die Buchstaben. Früher gab es den Hochdruck; dabei wurden die Texte spiegelverkehrt in eine Bleirolle gegossen, die Farbe von den Höhen aufgenommen und aufs Papier übertragen - noch früher wurden einzelne Buchstaben in Setzkästen gespannt.

InBild0140 jener guten alten Zeit verdiente ein Setzer soviel, so erfahren wir, dass er sich davon einen Audi 100 leisten konnte. In der guten alten Zeit wurden alle Texte vor dem Druck korrekturgelesen, heute erst hinterher. Damit bestätigte sich ein Verdacht, den ich als Zeitungsleser, der mit den heute martialisch anmutenden Unterrichtsmethoden der 60er Jahre mit den ausnahmereichen Regeln der deutschen Rechtschreibung beaufschlagt wurde, bereits länger spürte - eine Korrektur ist nicht mehr möglich, die Kobolde haben ihre Arbeit ja schon getan.

Wir erfahren am Ende unserer Führung, dass Zeitungen deshalb leicht außermittig gefaltet werden, damit sie von einem Luftstrahl noch einmal geöffnet werden können und mit einem weiteren Luftstrahl bis zu vier Zeitungsbeilagen in die Faltung geschossen werden - mehr als vier ist den Zeitungsausträgern nicht zuzumuten.

Das war`s denn auch schon; keine Kobolde, alles Menschenwerk. Bei einer Limonade - die Röhrpost ist längst außer Betrieb - beantwortet Herr Neuhaus noch allerlei Fragen rund um das Zeitungswesen und gibt einige Anekdoten zum Besten, z. B. warum Elefantenurin stinkt.

Da es spät geworden ist, lassen die 19 immer noch fröhlichen Nachbarn den Abend in ihrer Stammkneipe Kreuzeck bei Bier und Currywurst ausklingen.