Dies ist ein satirischer Jahresrückblick! Gute Unterhaltung und lautes Lachen über sich und über die Verrücktheiten dieser Welt ist ausdrücklich gewünscht und erhofft. Lachen ist gesund und hat keinerlei Nebenwirkungen! Sich ärgern hat Nebenwirkungen - Stresshormone werden ausgeschüttet und man bekommt schlechte Laune. Also lachen Sie einfach drüber, auch wenn Sie mal was ärgert.

Ein Hermes-Bote im Himmel

Es ergab sich, dass der Paketbote und Hermes Angestellte Ullrich Ölgemöller sich kurz vor Dienstschluss auf ein bis siebzehn Feierabendbier mit seinen Fußballkumpels in der Gaststätte Keule freute, als ein dringender Auftrag ihn noch einmal in seinen Sprinter und auf die Straße trieb. Er führte diesen Auftrag mit einer solchen Eile und Hast aus, dass er bei der Rückkehr leblos hinter seinem Lenkrad zusammensackte und noch an Ort und Stelle verstarb. Zwei Engel trugen ihn fort bis hinauf zu Petrus an die Himmelspfort, wo ihm nach hektischem Sturmschellen aufgetan wurde.

Petrus sprach: Da bist Du ja, du armer Tropf; du stinkst ja noch nach Bier! Von wegen, opponierte der Ölgemöller, ich hab‘ einen Durst; ich war ja noch nicht zu Hause und überhaupt: was soll ich hier; ich hab noch einen dringenden Termin mit den Kumpels  in der Keule. Das kannst Du vergessen, meinte Petrus, es gibt keine Termine und keine Eile mehr; hier herrscht himmlische Ruh. Ruhe! Ruhe brummelte der Ölgemöller, einen Durst habe ich, ein Bier will ich aber schnell!

Du bist am Ort wo Milch und Honig fließen; Du wirst Deinen Trunk schon bekommen wies ihn Petrus zurecht. Milch und Honig! Das kannst Du selber saufen! Herrscht der Ölgemöller jetzt deutlich lauter und energisch den Petrus an. Die umfliegenden Engel waren erstaunt über diese Ruhestörung und schauten einander vielsagend und leicht verwirrt an. Lege Dich auf Wolke sieben und lobe den Herrn! Ranzte jetzt der Petrus den Ullrich an. In einer Stunde gibt’s Essen – Du trinkst Dich nicht erst satt!

Ehre sei Gott in der Höhe, Hosianna, Halleeeelujaa! Luja sag ich Drecksgelump verreckts! Ich hab Durst! Ich warte keine Stunde mehr! Die ihn umfliegenden Engel waren entsetzt und redeten aufgeregt und dem heiligen Ort unangemessen laut aufeinander ein und schüttelten die Köpfe. Gabriel der Oberengel wies ihn sanft zurecht: Du hast alle Zeit der Welt. Es ist keine Mittagspause die nach eine dreiviertel Stunde beendet werden muss. Dies ist die Ewigkeit! Ewigkeit! Dachte der Ölgemöller, das kann sich hinziehen. Ich hab aber jetzt Durst, ich will jetzt mein Bier! Sackzement noch mal! brüllte er mit hochrotem Kopf wie ein trotziges Kind.

Die Engel wurden aufgeregt, das ganze Geflügel flatterte wie wild umher, sie stießen im Flug zusammen, holten sich Beulen am Kopf; Federn stoben umher, einer verrenkte sich den Flügel so sehr, dass er einen Hexenschuss erlitt.

Als Petrus dies sah, hatte er ein Einsehen. Der ist noch nicht reif für die Ewigkeit dachte er und stellt sich vor den Ullrich hin: Du sollst Dein Bier in der Keule haben sprach er, aber zuvor gibst Du diesen Brief im Rathaus ab für den Stadtrat, der tagt in zwei Stunden also beeil dich! Als ehemaliger Hermesbote kannst Du das ja, und lachte über das Wortspiel das der Göttterbote Hermes jetzt als Bote Gottes unterwegs sein würde. Und er gab dem Ullrich Ölgemöller einen braunen Briefumschlag mit der Aufschrift „Eingebungen“ und in Klammern: „Göttlich“

Der Ölgemöller machte sich sofort auf den Weg vom Himmel zur Erde und flog noch einen Looping mit seinen frischgewachsenen Engelflügeln und als er übermütig zur kubanischen Acht ansetzen wollte, wurde ihm schwindelig und er kam von seinem Gleitpfad ab. Etwas unsaft, aber unverletzt landete er auf der Schwerter Heide.

Zum Glück kennt sich ein alter Hermesfahrer in Schwerte aus und er machte sich zu Fuß auf den Weg zum Rathaus. An der Kreuzung Heidestraße/Hörder Straße aber leuchtet ihm die Reklame des Freischütz ins Gehirn; und er sieht den braunen Briefumschlag an und er denkt: Stadtrat, das ist doch öffentliche Hand. Die haben doch Zeit wie Dreck! Oder etwa nicht? Wenn die in den Himmel kommen, dann wird denen dieser Petrus und seine Ewigkeit noch verdammt hektisch vorkommen! Also Zeit für ein Bier ist auf alle Fälle! Die sollen mir bloß nicht blöd kommen! Wenn einer mault, dann fahr ich mit dem Achterbahn – aber anständig!

Und so ging er hoch zum Freischütz und bestellt bei der Rosie ein schönes Pils im Glas mit Stiel und trank es auf einen Zug auf, dass die Blume im Glas stehen blieb und bestellte sich gleich noch eins als er seine alten Kollegen im Biergarten unter der Kastanie sitzen sah: den Helmut, den Jürgen, den Ingo, den Katschmarek, den Schimanski alle waren sie schon da und hatten ein Maß vor sich das niemals leer wurde und alle waren froh. Und als sie ihn sahen freuten sie sich und sagten setz dich zu uns und trink erstmal ein Bier, Du hast schließlich genug gehetzt im Leben

Und da setzte sich der Ölgemöller und bekam von der Rosie ein Bierhumpen der niemals leer würde und gleich noch ein Pfefferpotthast dazu und sie sprachen über die alten Zeiten und über Gott und die Welt und er vergaß den braunen Briefumschlag und seinen Auftrag.

Und da sie alle schon gestorben waren sitzen sie noch heute unter der Kastanie und trinken Bier.

Und so kommt es, dass der Schwerter Stadtrat noch heute vergeblich auf die göttlichen Eingebungen zur Neugestaltung des Schwerter Marktplatzes und diverser anderer Dinge wartet!

Quellenhinweis: ursprünglich veröffentliche 1911 Ludwig Thoma die humoristische Satire "Der Münchner im Himmel". Eine Bearbeitung mit Zeichentrickfilm findet man hier https://www.youtube.com/watch?v=VvdEgkqei6c Beides inspirierte uns, dies der Neuzeit und der Stadt Schwerte anzupassen. Zufällige Ähnlichkeiten mit lebenden und verstorbenen Nachbarinnen und Nachbarn sind nicht gewollt und rein zufällig; außerdem ist der Hermes-Bote keine Schleichwerbung, sondern ein schönes Wortspiel.